Das Eisberg-Prinzip

KISS taucht ab in die nächste Runde und bringt Licht unter die Wasseroberfläche!
Die Gefahren liegen oft im Verborgenen

Wir alle wissen, dass nicht die sichtbaren Ausläufer unter der Wasseroberfläche eines Eisberges die Titanic innerhalb kürzester Zeit zum sinken gebracht haben. Es waren die unsichtbaren und die Titanic galt als unsinkbar!

Was hat das mit der Flugsicherheit zu tun?

Wir wissen, der sichtbare Teil von Störungen oder Unfällen macht nur die Spitze des Eisbergs aus.

Es ist aber der Teil unter der Wasseroberfläche, der viel grösser ist und den wir versuchen müssen zu beeinflussen – zu umschiffen. Und je tiefer unter der Wasseroberfläche, desto dunkler ist es. Man muss also genauer hinschauen bzw. besser ausleuchten, um einen drohenden Unfall zu erkennen und die lauernden Gefahren in unser Bewusstsein zu verankern.

Klingt schwierig – ist aber einfach. Denn die Zahl der Möglichkeiten ist schier unendlich!

Unter dem Wasser sind nicht nur die „Beinahe Unfälle“ verborgen, sondern vor Allem all die kleinen Fehler, unsicheren Handlungen und die «Uuups, was war denn das?!»-Momente.

Wir reden hier gleichzeitig auch von der Fehlerpyramide. Die Zahlen variieren, doch man geht heute davon aus, dass auf etwa 10-15.000 dieser kleinen Fehler ein Unfall folgt.
15.000 Unachtsamkeiten, nur 3.000 mal wahrgenommen – im besten Fall!
Schaffen wir es, diese Zahl zu minimieren, reduzieren wir gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, einen gröberen Fehler an die Wasseroberfläche zu lassen. Aus einer Unachtsamkeit einen Unfall entstehen zu lassen! Wie unbedeutend diese anfänglichen Fehler sein können, wird damit untermauert, dass wir nur etwa 20% aller Fehler aktiv erleben. Das heißt, jedem Fehler, den wir (bei uns selbst, oder) bei unseren Fliegerkollegen beobachten, gehen ca. vier weitere Fehler voraus!
Gefahren kennen, Gefahren erkennen!
Was von all dem wusste der Beobachter auf der Titanic, der nach Eisbergen Ausschau halten sollte? Kannte er die Architektur eines Eisbergs? Und konnte er allein das alles überblicken? Mit dem Wissen von heute würde man nicht in Hochrisikogebieten mit voller Fahrt operieren und dabei lediglich einen Beobachter nominieren, der zu dem nur nach dem Sichtbaren sucht. Man würde alle verfügbaren Mittel sammeln, um nicht früher oder später an der Spitze des Eisbergs zu enden. Flugsicherheit geht uns ALLE an, arbeiten wir also auch ALLE daran, diese Schritt für Schritt zu verbessern. Nehmen wir ALLE die „Taucherlampen“ und leuchten gemeinsam den Bereich unter dem Wasser aus.
Und da, wo es immer noch zu dunkel ist, nehmen wir die Fahrt raus!

Kerstin Mumenthaler – aim4safety

Kerstin’s Herz schlägt für Sicherheit und Krisenmanagement. Neben ihrer Ausbildung zur Verkehrspilotin absolvierte Kerstin deshalb einen Master of Science in Air Safety Management und besuchte verschiedene Lehrgänge für Business Continuity und auch Projektmanagement. Als ehemalige Airline-Pilotin stehen in ihrem Logbuch mehr als 6’000 Flugstunden auf dem Airbus A320. Heute ist sie offizielles Member of the Business Continuity Institute (MBCI) und bietet über ihre eigene Marke aim4safety Dienstleistungen und Beratungen für Business Continuity, Krisen- und Safety Management an. Zurzeit bildet sie sich an der Universität St. Gallen in Change & Innovation Management weiter.