Im letzten Blog Artikel habe ich den Bogen vom re-aktiven Krisenmanagement zum pro-aktiven Safety Management geschlagen. Heute geht es darum, wie es die Luftfahrt schafft, sich mit einer einzigartigen Change Kultur immer weiter zu verbessern.

Change, Continuous Improvement, Resilience – Diese Schlagworte sind momentan in aller Munde. Unternehmen wollen agil sein, ihre Mitarbeiter sollen möglichst resilient sein und ausserdem flexibel auf jede Veränderung reagieren.

Ausserhalb der Cockpits steckt sehr häufig noch nicht viel gelebte Realität hinter diesen Begriffen. Wir Pilotinnen und Piloten staunen darüber, denn für uns ist dies tatsächlich gelebter Alltag.

„Alles, was wir in der Luftfahrt wissen, jede Regel im Regelwerk, jedes Verfahren, das wir haben, kennen wir, weil irgendwer irgendwo starb…“ Cpt Chesley Sullenberger

Die Luftfahrt gilt heute zu Recht als eine der sichersten und effizientesten Industrien, weil sie es wie kaum eine andere Branche geschafft hat, aus Rückschlägen zu lernen.
Entscheidend ist der unbändige Wille sich stets zu verbessern kombiniert mit einer moralischen Verpflichtung eben nicht zu vergessen.

Die „Lessons Learned“ werden konsequent aufgelistet. Verfahren, Techniken und Prozesse werden laufend angepasst. Manchmal geschieht das relativ lautlos in die Operation, manchmal braucht es dafür aber auch grössere Change Projekte. Die Akzeptanz bei allen Beteiligten ist dafür aber immer gegeben. Uns Piloten ist das Umfeld und die Risiken dazu bewusst. 

Doch ist diese Change Kultur allein damit zu erklären, dass wir selbst mit im Flugzeug sitzen und aus dem Interesse unseres eigenen Überlebens handeln?

Ich bin überzeugt: Ja und nein. Natürlich agiert man anders, wenn es um das eigene Leben geht. Aber ich glaube, dass unser Handeln und unsere Motivation im Umgang mit Fehlern noch andere Beweggründe hat. Und diese sind gleichzeitig mögliche Erfolgsfaktoren für jedes Unternehmen, das Veränderungsprozesse anstrebt.

Abbildung 1: Kreislauf der Veränderung, aus dem „ClearMe Modell“ der Autorin und #clearedtoland

Die Airline Branche hat verstanden, dass ein echter Wandel in einer Organisation und mit deren Mitarbeitenden nur HAND IN HAND funktioniert. 

Wichtig ist auch, dass Fehler nicht als Start in ein Blame Game mit nutzlosen Strafen gesehen werden, sondern als echte Chancen mit Verbesserungspotential. Das bedeutet auch einen intensiven Aufwand zu betrieben, um in jährlichen Schulungen das Bewusstsein jedes einzelnen Mitarbeiters in genau diese Richtung zu schärfen. Das Ergebnis lohnt sich jedoch!

Der Aufwand mag für ein Unternehmen ohne sicherheitsrelevante Aspekte zu hoch erscheinen, dennoch sollte sich jeder Einzelne fragen, was man aus der Luftfahrt lernen kann. „Think as a pilot….“, denn am Ende gilt trotzdem für alle:

«Wer einen Fehler begeht, und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten» (Konfuzius)